Die rollende Perlenkette

Lange Zeit fuhr ich jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit. Hin und Her – immer dieselbe langweilige Strecke auf der Autobahn. Diese Monotonie und Eintönigkeit führte irgendwann dazu, dass ich mich mit immer grösserer Gleichgültigkeit hinters Steuer setzte! Immer öfter kam es vor, dass ich jedigliches Zeitgefühl verlor und noch nicht einmal die Strassensignalisationen wahr nahm.

Über die Jahre verteilt, nimmt der Verkehr immer mehr zu. Bald erinnern mich die Lichter der Fahrzeuge immer mehr an eine glänzende Perle.

Der tägliche Kampf vor der Einfahrt – dem Verschluss der Kette – ist nicht viel besser. Die Autos mit ihren Besitzern stehen wie besessen fauchend vor den Lichtsignalanlagen. Kaum springt die Ampel auf Grün, wird das Gaspedal gedrückt und das Rennen um einen Platz in den vorderen Reihen der Kette geht los! Ab und zu riskiere ich einen Blick auf die Fahrer. Grimmig, angespannt oder müde drein blickende Gesichter starren wie gebannt auf die Strasse. Immer mehr wird mir bewusst, dass ich nicht viel besser bin. Statt in Ruhe die Autofahrt zu geniessen, hetze ich von zu Hause auf die Arbeit und am Abend erschöpft und müde wieder zurück. Ist das wirklich mein Leben? Bin ich wirklich so abgestumpft?

Von Tag zu Tag wird die Situation schlimmer. Vor mir sehe ich rote Lichter, ich realisiere nicht sofort, dass mein Vordermann bremst. Ich schwebe in einem Gefühl der Zeit- und Raumlosigkeit, bis mir schlagartig bewusst wird was passiert. Mit voller Wucht trete ich auf die Bremse, mein Herz rast bis zum Hals, panisch schaue ich in den Rückspiegel und bete zu Gott.

Immer häufiger bin ich unaufmerksam unterwegs und schwenke immer mehr mit dem Fahrzeug aus. Ich weiss nicht wie viele Schutzengel ich die letzten Monate hatte. Doch ich glaube sie hatten einiges zu tun um mich und die Anderen zu schützen.

Seit zwei Monaten fahre ich nur noch selten Auto und wenn möglich nur kurze Strecken. Mir ist bewusst geworden, dass ich ohne eine gesunde Seele nicht mehr die Kraft dazu habe, mich in Ruhe hinter das Steuer zu setzten.

Wenn ich darüber nach denke wie viele Menschen unter einer schweren Depression oder einem Burn-Out leiden und trotzdem Auto fahren, dann sträuben sich mir die Nackenhaare! Ich habe erlebt wie es sich anfühlt. Für den Tod eines Menschen will ich nicht verantwortlich sein.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.