Quälende Geister der Nacht

Den halben Sonntag über bin ich unglaublich traurig. Tränen laufen mir über die Wangen. Mein Herz rast und verursacht stechende Schmerzen. Ich sehne mich nach Liebe, Wärme und Zuneigung. Doch ich habe Angst wieder verletzt zu werden und schweige.

Gegen 23.00 Uhr gehe ich ins Bett. Mein Partner kommt auch. Ich kuschle mich an ihn, in der Hoffnung die benötigten Gefühle zu bekommen. Doch irgendwie spüre ich nichts – spüre meinen Körper nicht, fühle keine Nähe – nur Angst. Er schläft ein und ich werde wütend auf ihn. Fange an zu weinen und ihn solange ohne Grund zu beschimpfen bis er völlig verstört aufwacht und nicht weiss, was er angeblich falsch gemacht haben soll.

Kein Wort kommt mehr über meine Lippen. Nur noch schluchzen und heulen. Ich bin nicht mehr Herr meines Körpers. Jede Bewegung verursacht Kreislaufprobleme. Meine Zähne klappern, ich zittere und bekomme Schweissausbrüche. Ich könnte schreiben, toben, alles nieder reissen. Doch die Stimme versagt weiterhin und sämtliche Kraft ist aus meinem Körper gewichen. Nichts funktioniert so wie es sollte.

Nur langsam drängen die liebevollen Worte und zärtlichen Umarmungen meines Partners in meinen Geist. Ich werde ruhiger. Er hebt mich sanft vom Boden auf und legt mich zurück ins Bett. Es tut gut zu merken und hilft, dass er trotz meines Nervenzusammenbruchs die Ruhe behalten hat.

Er gibt mir ein Glas Wasser. Durstig bin ich nicht. Trotzdem nippe ich am Glas und geniesse die Kühle im Hals. Das Wasser fühlt sich eigenartig an, fast so, als wäre es geschmackloses Gelee. Es rinnt hinunter ohne Anfang und Ende. Es reicht. Ich schiebe das Glas beiseite. Etwas erstaunt meint mein Partner: “Dafür, dass du keinen Durst hast, hast du ¾ des Glases getrunken”. Für mich war es jedoch gefühlt nur ein Schluck.

Am nächsten Morgen sehe vor mir eine wächserne, bleiche Maske mit aufgequollenen, blutunterlaufenen Augen, eingefallenen Wangen und müdem Blick. Mein Spiegelbild erschreckt mich schon lange nicht mehr. Es ist nicht die erste Nacht der quälenden Geister.

Ich fühle mich wie nach einer mit Alkohol durchzechten Nacht. Müdigkeit, Übelkeit und Kreislaufprobleme vordern meinen abgemagerten Körper. Meine Beine zittern und können das bisschen Gewicht kaum tragen. Jeder Knochen meines Rückens schmerzt und streikt gegen die Bewegung. Trotzdem reisse ich mich zusammen, stelle mich unter die Dusche. Mit viel Make-Up wird aus dem Zombie im Spiegel wieder einigermassen ein Mensch.

Nur noch eine Wundertasse Kaffee trinken und etwas essen. Immerhin stabilisiert sich nun mein Kreislauf. Trotzdem quäle ich mich mühsam zum Bus um zur Arbeit zu fahren. Eigentlich wäre es besser zu hause zu bleiben, dennn eigentlich bin ich heute nicht fähig zu arbeiten. Doch mein Überlebensinstinkt zwingt mich dazu …

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