Tanzende Buchstaben!

Seit mehreren Monaten habe ich Mühe Texte zu schreiben. Die Worte und Sätze sitzen im Kopf, doch irgendwie wollen sie nicht aufs Papier. Anscheinend ist das normal, dass sich bei Stress und schwerer Depression Konzentrationsstörungen einschleichen und sich in unterschiedlichen Art zeigen. Mich tröstet die Erkenntnis wenig.

Seit Anfang April 2012 bin ich nun dabei zwei Grobkonzepte zuschreiben oder besser gesagt ich versuche es.

Ich sitze vor dem Monitor. Die Umsetzung ist klar in meinen Gedanken. Ich weiss wie die Dokumente aussehen sollen, was ich schreiben will und trotzdem tippen meine Hände etwas anderes. Mist, schon wieder eine rote Wellenlinie die sich wie ein farbiges Band um das Wort windet. Schreibt sich „endlich“ mit d oder doch mit t? Was genau sind Symtombe oder doch eher Symptome? Oh nein, dieser Satz hat doppelte, hintereinander folgende Worte und kein Ende. Was genau wollte ich den eigentlich schreiben?

Je mehr ich mich anstrenge die Sätze richtig zu formulieren, desto schlimmer wird es. Buchstaben, Wörter und Sätze tanzen ihren eigenen Tango. Die Musik dazu scheint aus meinem Inneren zu kommen.

Ich werde immer unruhiger …. dieses verflixte Wort schreibe ich nun zum dritten Mal genau gleich falsch! Meine Augen sagen mir, dass es falsch ist. Meine Hände sind der Meinung korrekt geschrieben zu haben. Und der Kopf ist völlig ratlos und überfordert.

Verzweifelt öffne ich das Rechtschreibeprogramm und kopiere das korrekte Wort heraus. Es ist mir peinlich, dass ich nicht einmal mehr in der Lage bin ohne fremde Hilfe Berichte zu schreiben. Vor allem wenn ich daran denke, was ich in den letzten paar Jahren alles an schriftlicher Kommunikation erstellt habe.

Nur mühsam komme ich mit meiner Aufgabe voran. Ich seufze leise vor mich hin und schrecke auf: „Priska, was ist? Geht es gut? Das war aber ein tiefer Atemzug von dir!“. Peinlich berührt wird mir schlagartig bewusst, dass sich meine Gedanken nicht mehr um den Textinhalt drehen, sondern ich mit mir beschäftigt bin. Ich fühle mich wie eine Idiotin, die es nicht mehr schafft Buchstaben zu bändigen. Panik ergreift mich: „Wird das so bleiben oder kehren meine Rechtschreibfähigkeiten irgendwann zurück?“. Ich kann nur hoffen!

Heute sind meine beide Dokumente zum Review frei gegeben. Mein Chef ist mit meiner Leistung zu frieden. Doch bei mir will sich einfach keine Freude einstellen. Dabei hätte ich eigentlich allen Grund dazu. Trotz psychischer Erkrankung erledige ich in angemessener Zeit die geforderten Aufgaben. Immer mehr wird mir bewusst, dass ich meine persönlichen Anforderungen nicht immer ganz so hoch einstufen muss. Doch bis ich das für mich annehmen kann, wird es noch eine Weile dauern.

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