Die zerbrochene Schutzmauer

Sie soll endlich in ihrem Tessin bleiben und mich in Ruhe lassen! Es reicht! Ich mag die Blicke der Nachbarn und vor allem ihre Anwesenheit nicht mehr ertragen.

Seit Sonntag habe ich wieder steckende, pulsierende Schmerzen in der Herzgegend. Dazu diese innere Unruhe und Rastlosigkeit. Nur sehr schwer kann ich mich auf andere Dinge konzentrieren und von erholsamen Schlaf bin ich weit entfernt. Meine Gedanken ziehen immer grössere Kreise. Fast so wie beim Spielen am Wasser mit Kieselsteinen. Ich muss etwas tun!

Mühsam quäle ich mich zum Auto. Eigentlich sollte ich nicht fahren und doch kann ich es jetzt nicht lassen. Also fahre ich unruhig und unkonzentriert zum Baumarkt und hole mir einen Sichtschutz für den Garten. Die Fahrt ist anstrengend und ich bin froh, dass kaum Verkehr unterwegs ist. Bei jedem Auto vor, hinter und neben mir schrecke ich hoch – bekomme Angst! Endlich wieder zu Hause.

Es treibt mich an – ich muss die Schutzmauer aufbauen. Meter für Meter befestige ich mit Draht die Schilfmatten am Gartenzaun, um mich von den Nachbarn und von ihr abzugrenzen. Leider sind die Schilfmatten nicht ganz blickdicht. Aber es beruhigt mich etwas und ich kann wieder freier atmen.

Am liebsten würde ich eine dicke, schwere Zyklopenmauer aus Kalkstein aufbauen. Abschotten von allem und irgendwie meine innere, zerbrochene Schutzmauer durch Stein ersetzten.

Ich fühle mich zerbrechlich und schutzlos!

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