Medusa’s Tag

Heute ist es endlich soweit. Mein Vorgespräch in der Klinik Barmelweid steht an. Ich kann kaum mehr an etwas anderes denken. Ich soll in eine Klinik? Ich die seit Jahren einen riesen Bogen um Spitäler und Ärzte macht? Immer wieder verfolgen mich in Gedanken Bilder von Spritzen, Nadeln, vermummten Gestalten aus dem Operationssaal und nicht zu Letzt diese kreisenden Lampen über dem Operationstisch.

Ich muss mich irgendwie beruhigen, ablenken von diesen alten Erinnerungen los reissen! Doch es geht nicht, zu schmerzlich war meine Erfahrung mit meiner Nierenoperation im Kindesalter. Aber der Uhrzeiger drängt mich auf den Weg zum vereinbarten Gespräch.

Irgendwie habe ich es geschafft hinzu fahren. Ich stehe in einem abgelegenen Stück Land, umgeben von Bäumen, Tieren und viel Grün. Diese Ruhe und frische Luft – herrlich! Schön ist es hier. Aber schlagartig wird mir bewusst, dass ich ja keine Ferien auf diesem Gelände plane sondern mich in Kur begebe. Schon ist sie wieder da, diese Angst und das lähmende Gefühl. Jeder Schritt weiter zum Gebäude fällt mir schwer und plötzlich bin ich da.

Da ich fast eine Stunde zu früh bin, hole ich mir im Restaurant etwas zu essen und setze mich. Jeder Bissen schmeckt irgendwie fade und eklig. Einzig der Kartoffelbrei scheint meine Geschmacksnerven anzuregen. Aber ich muss essen, bin ja viel zu dünn. Also würge ich das tolle Gericht irgendwie die Speiseröhre runter und hoffe, dass ich nicht brechen muss.

Die Uhr tickt weiter. Es ist Zeit. Meine Schritte, zur Anmeldung der psychosomatischen Abteilung, werden immer schwerer. Nach elend langen Minuten sitze ich vor dem Büro und warte. Ich fühle mich irgendwie durch Medusa ‘s Blick versteinert und gleichzeitig zittere ich wie Espenlaub. Alles dreht sich, die Atmung rast, dann diese Menschen … Sind das Patienten? Oder Personal? Ich habe das Gefühl alle starren mich an und denken “schon wieder so eine überempfindliche, emotionale Zicke, die ihr Leben nicht in den Griff bekommt”.

Der Termin ist seit 15 Minuten überfällig. Ich werde wütend und würde am liebsten raus rennen. Meine Gedanken kreisen immer mehr, langsam bricht Panik aus. Endlich ich werde freundlich von der leitenden Stationsärztin ins Zimmer gebeten.

Beim Gespräch mit ihr verheddere ich mich in Worten, Sätzen und Gedanken. Mich wundert wie sie das schafft mich zu verstehen? Mich ernst zu nehmen ohne, dass ich mich lächerlich vorkomme? Aber die Unruhe und Angst bleibt. Dann kommt der Punkt den ich am meisten hasse: Nadeln! Sie meint: “wir müssen bei ihrem Aufenthalt  Blut abnehmen und ein EKG machen”. Mir wird heiss und kalt, Schweiss bricht aus und der so oder so schon erhöhte Puls erreicht fast seinen Höhepunkt. Irgendwie muss ich mich beruhigen, also fange ich an wild drauf los zu reden und erzähle ihr von meiner Angst. Was dann kommt, erstaunt mich besonders bezogen auf mein Befinden. Sie bietet mir an im Rahmen meiner anstehenden Therapie ebenfalls die Angst zu bekämpfen. Ich werde endlich ruhiger. Irgendwie empfinde ich sogar etwas Freude, dass ich für meine Angst Hilfe bekomme und nicht wie eine Irre behandelt werde.

Die Freude ist nur von kurzer Dauer. Am Ende des Gesprächs erörtert mir die Stationsärztin, dass ich an einer schweren Depression leide und ich dafür dringend einen Bett in der Klinik brauche. Für mich ist das ein Schock! Vor allem als mir auf Grund des Gesprächs bewusst wird, dass ich nicht erst seit Mitte Februar 2012 krank bin, sondern seit mindestens 1.5 Jahren. Ich hielt diese ganzen Symptome lediglich für ein bisschen Stress!

Dieser Tag hat dazu geführt, dass ich nun sagen kann:

  • JA, ich bin physisch und psychisch krank
  • NEIN, ich bin keine Simulantin und bilde mir das auch nicht ein
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