Wirbelnde Nebelgeister

Die mühsame, qualvolle Warterei hat endlich ein Ende. Ich darf in die Barmelweid eintreten.

Beim Frühstück trinke ich genüsslich meinen Kaffee, kaue zufrieden mein Brot und beobachte zum letzten Mal zu Hause die Eichhörnchen bei ihrem morgentlichen Ritual auf der Terasse. Diese Ruhe ist herrlich.

Viel zu schnell verflüchtigt sich dieser Moment und reisst mich zurück in den Alltag. Es ist Zeit! Mein Lebenspartner hilft mir mit der Reisetasche und fährt mich mit dem Auto auf die Saalhöhe. Irgendwann biegen wir in ein Waldstück ein und ich verliere mich in einer Märchenwelt. Nebel liegt verspielt auf der Strasse. Immer mehr zauberhafte Nebelgeister tauchen aus dem Nichts auf. Sie zerreissen die Nebel in Fetzten, verfangen sich in Licht und Schatten und wirbeln mit jedem Luftstrom in die Höhe. Das Naturschauspielt hält mich gefühlte Stunden in meiner Gefühlswelt gefangen und rürht mich zu Tränen. Ich realisiere nicht wie schnell die Zeit und somit die Fahrt vorüber rauscht. Erst das Gebäude der Klinik reisst mich aus meiner Fantasiewelt und meine Ängste brechen wie ein stürmischer Orkan über mich ein.

Ich bin angespannt, unruhig, nervös und kann keinen einzigen klaren Gedankenk fassen. Zig verschiedene Leute stellen siche vor, erklären ihre Aufgaben, sind nett zu mir. Doch merken kann ich mir davon nichts. Mein Hirn fühlt sich an wie Brei – hat komplett abgeschalten. Nichts funktioniert mehr bei mir.

Kaum habe ich den ersten Schock überwunden, kommt bereits der Nächste – Mittagessen in der Gruppe! Nur mühsam kann ich das Essen runterschlucken oder besser runter würgen. Die Angst vor meinen Mitpatienten nimmt zu. Ich merke wie sich langsam eine Panikattacke anbahnt. Ich werde immer unruhiger, nervöser und das Herz rast und schmerzt. Nur mit Mühe schaffe ich es die Kontrolle wieder zurück zuerlangen und alles aufzuessen. Ich bin froh, dass ich nach dem Essen wieder ins Zimmer zurück darf – zurück in meine neue Schutzmauer!

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.