Der Fischer und seine Frau

Seit dem letzten Eintrag ist ein ganzes Jahr vergangen. Vieles hat sich geändert. Vieles brauchte Zeit zum Verdauen. Für mich war die Depression ein Fluch und Segen zu gleich, denn endlich haben meine jahrelangen Ängste, Stimmungsschwankungen und Streitereien mit meiner Mutter ein Gesicht. Ich muss wohl immer schon an leichten Depressionen und einer Sozialphobie gelitten haben.

Vieles davon ausgelöst durch meine psychisch kranke Mutter und nein, es handelt sich nicht um normale familiäre Verhaltensmuster. Viel eher glaube ich, dass sie an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, ebenfalls mit schweren Depressionen, Wahnvorstellungen und Phobien leidet. Sie gibt sogar zu, dass sie seit mehr als 30 Jahren krank ist. Doch sich wirklich helfen lassen, will sie nicht. Schade, denn dadurch leidet, nicht nur sie, sondern das ganze Umfeld unbewusst mit. Selbst mein Vater, der nun seit 3 Jahren seine Pension geniessen will, gibt zu, dass da etwas nicht stimmt. Doch sich gegen seine Frau durchzusetzen wagt er nicht. Ist es den richtig, dass er sich von ihr unterdrücken lässt? Nach Aussen ein autoritärer, starker Mann. Zuhause einer der sich aus Liebe nicht getraut sich sein verdientes, arbeitsfreies Leben zu geniessen.

Mich erinnert es an die Geschichte mit dem Fischer und seiner Frau Ilsebill:

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
myne Fru de Ilsebill
will nich so, as ik wol will

Mir kam die Erkenntnis dank der ganzen Therapien und einer neuen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Fast so, als hätte sich endlich ein unsichtbarer Schleier vor meinen Augen gelüftet, welcher jahrelang das Licht in mein Herz filterte.

Ich bat meine Mutter eindringlich um eine Therapie, ging mit ihr sogar in die Notaufnahme des Inselspitals. Nur solange sie nicht wirklich von einem besseren Leben überzeugt ist, ist jede Unterstützung meinerseits aussichtslos. Es schmerzt dies mit ansehen zu müssen. Schliesslich hat sie mich ja unter Schmerzen geboren, aufgezogen und versorgt. Trotzdem musste ich erkennen, dass es Zeit ist, mich um mich selber zu kümmern.

Aus Eigenschutz habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Ich kann mit ihrer Opferhaltung, Lügen und Vorwürfen nicht mehr Leben. Selbst meine eigenen jahrelang unbewusst antrainierten Rechtfertigungen auf alles – selbst positives – kann ich nicht mehr ertragen. Es bedeutet für mich jedes Mal eine Überwindung bei einem Kompliment, ein einfaches Danke zu sagen und nicht gleich wieder mich zu rechtfertigen und damit meine Mitmenschen zu verunsichern.

Für mich hat ein neues Leben begonnen! Ich fühle mich stärker, ruhiger, entspannter und endlich sexy! Mein Körper fühlt sich richtig gut an – auch wenn ich noch nicht komplett geheilt bin. Seit meinem Klinikaufenthalt verfasse ich ein Buch mit dem Leben einer psychisch kranken Mutter. Es hilft mir zu genesen.

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