Erinnerungen aus einer anderen Zeit (5)

Entspannt wir schlendern Hand in Hand – entlang dem Weg. Sonnenbeschienene Häuser säumen die Strassen. Hochhäuser direkt neben mittelalterlich wirkende Herrschaftshäuer, dazwischen Glasbauten und riesige zum Spazieren einladende Plätze. Skulpturen, Bäume und Rasenflächen soweit ich blicken mag. Die friedliche Ruhe mich durch dringt – geniessend ich deiner führenden Arme ich folge. Fremd auf mich wirkt die Gegend – innerlich jedoch vertraut sich anfühlend. Vor einem Modegeschäft bleibst du stehen, durchschreitest die Tür – verwirrt ich bin, was tun wir hier?

Im Drinnen ich erblicke einen Tresen, eine Kasse doch keine Kleidung – aus den Augenwinkeln nehme ich wahr wie du voller Freude den Besitzer umarmst. Kurz darauf der Mann mich ebenfalls stürmisch begrüssend umarmt. Dir scheint das Ganze vertraut, gehst auf direktem Wege zu einer dunkeln Ecke – ein Tisch mit Stühlen und einer kleinen Vesper stehen bereit. Ich höre freudiges Gelächter – ich stehe immer noch bei der Tür, fremd und doch so vertraut das Geschäft mir scheint. Instinktiv scheint der Besitzer wohl zu wissen, dass ich mich nicht erinnern kann. Sanft nimmt er mich am Arm, führt mich zur Wendeltreppe. Komm, ich will dir zeigen etwas – dir helfen dich zu erinnern. Die steinigen Stufen wir gehen nach oben – hell durchleuchtet der leere Raum. Plötzlich vor mir erscheint ein Kleid. Telepathisch vernehme ich des Besitzers Stimme: „Es ist deins. Ich bewahre es auf für dich, bis zu deiner Heimkehr in diese Welt“. Erinnerungen mich durchfluten – sanft der himmelblaue Stoff meine nackte Haut streichelt. Seidig zart schmiegt sich das Kleid an meinen Körper. Es fühlt sich an wie eine zweite Haut. Kühlend in der Hitze, wärmend in der Nacht, fliessend wie Wasser, durchlässig wie Licht – es unterstützt mit jeder Faser meine Weiblichkeit. Leise vernehme ich deine Stimme, wir müssen weiter – viel zu kurz war das Wiedersehen mit lieben Freunden.

Draussen ich stehe wieder in meiner weissen Uniform – bequem für die Forschung, sicher in fremden Landen, schützend und heilend im Kampf, körperbetont und bewegungsunterstützend – gleichzeitig androgyn und nüchtern. Schnell wir laufen Strassen entlang – von hohen Ratsmitglieder erwartend, treffen wir auf einer riesigen Plattform ein. Du folgst dem Rat, für deinen Auftrag besprechend – ich entscheide mich draussen zu bleiben. Trete an den Rand der Plattform, blicke hinunter in die Tiefe. Die erste Ebene unter mir – ein Hangar, ich vermute. Danach in die Tiefe führende, aufeinander gestapelte containerartige gleich aussehende Häuser – keine Individualität, nur metallisches grau-blau-schwarz,  eingelassen in den Fels. Dazwischen kleine Transportraumschiffe, herumschwirrend wie Bienen. Fast die ganze Stadt eingelassen wie ein Kamin in den Planeten – einzig der Oberflächenstadtteil erstrahlt in der Wüstenoase.

Sitzungen dauern – entschlossen neugierig ich betrete eine Transporteinheit. Diese mich bringt zum Hangar. Eine Art Rollband ich betrete, welches führt nach oben zur Startrampe der grossen Schiffe. Eine Wächterin zur Begrüssung mir nickt zu – Soldaten überwachen den Flugverkehr. In einiger Entfernung ich erblicke ein nicht-humanoides Wesen. Es besteigt eine Art Röhre – vergleichend mit einer Wasserrutsche. Was das wohl sein mag? Wohin die Rutsche wohl führt? Neugierig ich dem Wesen folge – tief hinunter in die Dunkelheit, dem Schacht folgend bis ins künstliche Licht des Untergrunds. Ich werde abgebremst – muss auf der Rutsche warten. Weiter untern vor mir das Wesen – der Rücken blutverschmiert, von Scannern durchleuchtet, von fremden Händen aus der Rutsche gezerrt. Angst überfällt mich – wurde das Wesen von den Scannern getötet oder auf seiner Forschungsreise verletzt? Darf ich überhaupt hier herunter? Ich reisse mich zusammen – zurück kann ich nicht mehr – intuitiv weiss ich, dass alles in Ordnung ist. Endlich geht es weiter – die Halle ich darf betreten. Wesen verschiedenster Rassen und Welten laufen geschäftig um her. Der Duft von Essen steigt mir in die Nase – ich erkenne die riesige Essensausgabe.

Essen: Ja sowas könnte ich jetzt gebrauchen. Ich stelle mich planlos in eine der Reihen. Lasse mich von der Masse treiben. Erblicke mir fremdartige Speisen. Einer der Köche fragt mich nach meinen Wünschen – dieser grüne Pudding hätt ich gern, Fleisch dazu wär mir genehm. „Fleisch gibt’s hier nicht. Da musst du in die andere Ecke rüber. Hier gibt’s nur dieses Schlabberzeug“. Na gut, dann nehme ich den grünen und den weissen und roten Punkten übersäten Pudding. Den Koch ich frag – was ist da drin? Grimmig er blickt mich an, hinter mir bereits ein Gemurrte: Mach endlich vorwärts, die Mannschaft braucht ihre Mahlzeit!

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  1. Pingback:Persönliches Interview zur Nahtoderfahrung – Crea-Motion

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