Ich Scrum, Du Wasserfall!

Unser Bildungssystem

Quelle: Transinformation.net

Beim Stöbern im Internet musste ich schmunzeln über die Karikatur und dem passenden Asperger-Spruch von Albert Einstein. Einerseits werden wir Aspies, als behandlungsbedürftige, sozialunfähige Sonderlinge behandelt – andererseits jedoch in der spirituellen Szene wegen unserer Hochsensibilität und hyperfeinen Wahrnehmung geachtet und teilweise verehrt. Nicht zu vergessen clevere internationale Unternehmungen, welche unser analytisches Potential und Kreativität für die Umsatzsteigerung missbrauchen – selbstverständlich unter dem Deckmantel der Humanität „behinderter“ Menschen. Wie verdreht die Welt doch ist! Uns Autisten wird vorgeworfen, andere Menschen, als Objekte wahrzunehmen. Doch dabei vergessen neurotypische Menschen, dass sie uns Aspies ebenfalls zu einem Objekt degradieren. 

Passend zu diesem einleitenden Absatz ist auch mein aktueller Lesestoff „ADHS, ein wissenschaftliches FIASKO“ von Elisabeth Dägling. Auf Grund von wissenschaftlichen Studien in den Bereichen kognitive Mathematik, kognitive Psychologie und Informationsverarbeitung ruft sie zu einem Paradigmenwechsel auf. Anhand einiger Beispiele (z.B. dynamische Labyrinthe der Uni Osnabrück) erklärt sie sehr schön die unterschiedlichen Wahrnehmungsprozesse (funktionell vs. prädikativ) von Menschen mit ADHS oder Autismus und Neurotypischen. Sie kommt zum Schluss, dass jeder Mensch ein Aufmerksamkeitsdefizit besitzt. Die Folge davon ist, dass damit quasi eines der Hauptkriterien der ICD-10 oder DSM-5® und deren gesundheitlicher Folgen inklusive Verhaltensweisen entfällt.

Man mag davon halten was man will. Interessanterweise spiegelt es jedoch meine Erfahrungen wieder. Nicht meine Andersartigkeit bereitet mir Sorgen, sondern das Unverständnis neurotypischer Menschen mich mit meinen Eigenheiten vollwertig zu akzeptieren. Depressionen, Ängste und Reizüberflutung sind die Folge dieses unsozialen Verhaltens von Menschen die sich selber gern „Normal“ bezeichnen.

Doch was hat denn nun eigentlich der Titel mit meinem Beitrag zu tun? Das abstrakte Verständnis der kognitiven Mathematik und Informationsverarbeitung ist nicht ganz einfach. Allerdings erkannte ich beim Lesen, dass sich diese unterschiedlichen Verhaltensweisen sehr abstrakt in der Informatik und dem Projektmanagement wiederspiegeln:

Verhaltenstypen
Neurotypisch  ADHS Asperger
Wasserfall-Modell:

  • Linearer Ablauf
  • Klare Planungsphasen und Anforderungen
  • Einfaches kalkulieren von Kosten und Risiken
  • Unflexibel bei Veränderung
  • Fehlerkorrektur meist erst sehr spät möglich
RUP-Modell:

  • Interativer Ablauf
  • Planungsphasen überschneiden sich, Anforderungen nicht immer klar
  • Kosten und Risiken teilweise kalkulierbar
  • Flexibel bei Veränderung
  • Fehlerkorrektur während der einzelnen Phasen möglich
SCRUM-Modell:

  • Agiler Ablauf
  • Planung und Anforderung in kurzen detaillierten Sprints
  • Kosten und Risiken schlecht kalkulierbar
  • Veränderungen jederzeit möglich
  • Fehlerkorrektur jederzeit möglich, allerdings fehlt die Sicht aufs Ganze
Imperative Programmierung (3. Generation) Deklarative Programmierung (4. Generation) Deklarative Programmierung (5. Generation)
Stand-Alone-Modell Client-Server-Modell Cloud-Modell
Prädikative Wahrnehmung und Verhalten
„Der Weg ist das Ziel!“
Funktionelle Wahrnehmung und Verhalten
„Was ist der Zweck?“
Funktionelle Wahrnehmung und Verhalten
„Was ist der Zweck?“

Mein Fazit und Hypothese ist, dass ADHS und Asperger eine bewusste Anomalie der menschlichen Evolution darstellen. Doch im Vergleich zur Informatik ist die Mehrheit der Menschen noch nicht in der Lage die Weiterentwicklung des Homo Sapiens Sapiens zu erkennen und uns „Betroffene der Neuzeit“, als Abnorme wahrnehmen. Es wird vermutlich noch eine Weile dauern, bis sich diese Erkenntnis durchsetzt. Bis dahin wünsche ich mir nur, dass ich und alle anderen Aspies, als Menschen mit Stärken und Schwächen wahrgenommen werden und nicht, als bedauernswerte, behandlungsbedürftige Kreaturen.


  1. ADHS ein wissenschaftliches Fiasko, Elisabeth Dägling, ISBN: 978-3-7392-5411-1
  2. Kausalität und ADHS, http://www.kausalitaet-und-adhs.de/
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