Ich bin anders – du auch?

Menschen

„Menschen“; Aquarell auf Papier mit Rahmen, Querformat 30x42cm, erstellt am 22.02.2015; Künstlerin: Priska Hitz

Mit „Anders sein ist toll“ ruft Andrea von AT-Bücher auf sich gemeinsam zu vernetzen und zu den persönlichen Eigenheiten zu stehen. Jeder Mensch ist in seinem Sein einzigartig: mit Stärken und Schwächen. Doch leider gelten in unserer Gesellschaft heute nur noch die sozialen Normen und Regelungen der 80% „Normalos“. Autistische Menschen dagegen werden nachwievor immer noch gemobbt, und viel zu oft als emotionslose Soziopathen abgestempelt. Dabei besitzen wir Autisten genau soviel Liebe und Mitgefühl für unsere Umwelt. Wir können es nur nicht standeskonform – oder Psychologengerecht – ausdrücken. Deshalb unterstütze ich sehr gern den Aufruf von Andrea!

Ich bin, nicht wie du und trotzdem sind wir Eins

Meine Kindheit war komplett chaotisch. Ich verstand einfach nicht wieso Menschen Dinge tun – die sie nun eben tun. Ganz zu schweigen von dieser mir völlig fremden Sprache der Mimik und der Sozialen Interkation. Auch Mobbing gehörte sehr lange zu meiner täglichen Überdosis Cortisol und Adrenalin. Das Schlimmste daran war die Tatsache, dass ich nicht einmal wusste wieso. Ich fühlte mich jahrzehntelang abgeschnitten von Liebe und Mitgefühl. Doch hat den nicht jeder Mensch Recht auf das grundlegendste Bedürfnis Liebe?

Ich lernte unbewusst – oder bewusst? – mich zusammenzureissen. Hauptsache nicht auffallen! Dabei verlor ich die wichtigste Person im meinem Leben: mich selbst.

Januar 2012 weigerte sich meine Seele, sich diese Tortur weiter gefallen zu lassen und zwängte mich auf meinen Weg der Selbsterkenntnis und damit zur Befreiung. Im Sommer 2014 bekam ich dann endlich die Diagnose: Asperger-Sydnrom. Ich war damals 39 Jahre alt. Endlich machte so vieles Sinn – auch wenn ich bis heute die Handlungweisen von Menschen nicht verstehe.

Eine Portion Verrückt-Heit ist toll

Ich habe für mich erkannt, dass ich per ärztlicher Definition bekloppt bin. Doch gleichzeitig bekam ich damit ein neues Leben geschenkt. Jeden Tag darf ich wählen:

  • Reisse ich mich zusammen und passe mich an. Mit der Option, dass mich nun erst recht daneben aufführe und mein Körper wieder streikt?
  • Oder akzeptiere meine kindliche Lebendigkeit und Lebensfreude im Gewissen, dass ich dafür nicht für voll genommen werde? Dafür aber sich meine Seele frei entfalten darf.

Für mich ist die Antwort klar: Lebendigkeit! Zumal ich erkennen durfte, dass viele neurotypische Menschen sich nach genau dieser Fähigkeit sehnen und dafür Unsummen an Seminargebühren ausgeben.

Verrückt-Heit ist der ursprüngliche Ausdruck unserer Seele! Das was uns alle zu Menschen macht. Wieviel ärmer wäre doch die Welt, wenn nicht ein paar Menschen wie ich und du sich erlauben aus dem Rahmen der Gesellschaft zu fallen?

Experte im Fach: Vogelvoliere im Kopf

Ach wie ich meine Vögel im Kopf liebe! Farbenprächtig, schillernd flattern sie in meinem Gehirn umher. Zwitschern mir ihre Gedanken und streicheln sanft meine Emotionen und manchmal treiben sie es etwas zu bunt. Und doch liebe ich ihr Schnattern! Sie lassen mich stauen über Kleinigkeiten, mich verführen vom den Düften der Natur, meine Seele liebkosen und manchmal wütend und aufbrausend durch die Gegend stampfen! Doch genau das bin ich.

Mit Hilfe der Natur und der Spiritualität habe ich gelernt mich anzunehmen, auch wenn ich immer mal wieder in alte Zwänge verfalle. Genau das will ich nun auf meinem weiteren Weg an andere Menschen weitergeben. Ich habe mich quasi zum Experten im Fach „Vogelvoliere im Kopf“ ausbilden lassen und bin nun auf dem Weg zu meiner eigenen kleinen Naturheilpraxis mit psychologischer Beratung.

Mensch
Beschenkt mit
Mitgefühl und Intellekt
Geleistete Taten grausam, ohne
Respekt
Menschen - Priska Hitz, 22.02.2015
https://www.crea-motion.ch/tag/selbsterkenntnis/
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4 Kommentare zu “Ich bin anders – du auch?
  1. Hans sagt:

    Sich immer zusammenreißen zu müssen, ist sicher nicht einfach. Es raubt Energie. Ich wünsche Dir ganz ganz viel Lebendigkeit und Akzeptanz. Ein mutmachender Beitrag. Alles Gute für den weiteren Weg -auch – als Experte für Vogelvolieren im Kopf.
    LG Hans

    • Creamotion sagt:

      Lieber Hans
      Genau deswegen habe ich aufgehört mich der Masse anzupassen und ich glaube jedem Menschen, würde es gut tun einfach mal etwas ausserhalb der Norm zu tun. Die Gesellschaft ist viel zu sehr in ihren Ängsten behaftet. Danke dir!
      Lieben Gruss, Priska

  2. Frank sagt:

    Liebe Priska,
    was für eine tolle Metapher mit der Vogelvoliere im Kopf.
    Da kommt mir mein früherer Artikel in den Sinn, in dem es um die Frage geht, wer denn eigentlich verrückt ist. http://blog.finde-dich-selbst.net/heisst-hier-eigentlich-verrueckt/

    Meinen Artikel zur Blogparade finden deine Leser unter http://blog.finde-dich-selbst.net/ich-bin-einzig-und-nicht-immer-artig/

    Toll, das du den Menschen Mut machst.
    Liebe Grüße
    Frank

    • Creamotion sagt:

      Lieber Frank

      Dein Beitrag „Was heisst hier eigentlich „verrückt“?“ passt wunderbar. Ich bin schon lange der Meinung, dass es eine gewisse Portion „Beklopptheit“ braucht um die Menschheit weiter zubringen.

      Ein kleines Steinchen geworfen in eine ruhige See, wirft am Ufer grosse Wellen. Genau so ist für mich jeder Mensch ein Steinchen im Universum. Die meisten schwimmen in der ruhigen See, während ein paar andere die See in Schwingung versetzten. Bewegung bedeutet Verdänderung. Ruhe dagegen Stillstand.

      Lieben Gruss, Priska

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