Der Turm zur Freiheit

Der Turm zur Freiheit

Original Aquarell von Priska Hitz – 30.04.2016. Digitale Überarbeitung und Ergänzung am 18.10.2017

Wo bin ich hier? Was ist das für ein Ort? Nur langsam wird mir bewusst, dass ich mich wieder einmal auf einer Astralreise oder einer Vision befinde. Was ich sehe und wahrnehme wirkt irritierend. Soll das unsere Realität sein oder doch nur die surreale Wahrnehmung meines Unterbewusstseins? So viele Menschen sprechen über die Matrix – meine Vision entspricht der Matrix!

Staunend bewege ich mich langsam auf dem morastigen, schlammigen Waldboden. Das grau-braune Dickicht aus Pflanzen wirkt auf mich wie eine Trennwand zwischen verschiedenen Sektoren. Das Durchdringen ist unmöglich – einzig der lichte, offene Bereich innerhalb meines Sektors ist begehbar. Ich fühle mich wie eine Gefangene in einer mir fremden Welt.

Neugierig untersuche ich den für mich zugänglichen Teil und treffe fast unmerklich auf einen komplett verdreckten Fluss. Dieser ist so sehr in das verwüstete, morastige Land integriert, dass er kaum von der Umwelt zu unterscheiden ist. Irgendwie spüre ich, dass ich darauf laufen kann ohne unterzugehen. Dabei wage ich einen Blick in das Wasser unter mir. Eisige Kälte kriecht von unten in mich hinein. Stille Schreie, gequälte Seelen, aufgerissene Augen – sie greifen nach mir und wollen mich hinunter ziehen – Dämonen überall! Ich besinne mich auf meine Liebe und gelange ans andere Ufer. Getrieben von der Hoffnung auf einen Ausgang.

Was ich nun sehe, macht mich traurig und wütend gleichermassen. Im Morast eingelassene komplett verdreckte Bunker. Türen und Fenster fehlen. Wozu auch? In diesem Gefängnis droht keine Gefahr von aussen. Ausgemergelte, bleiche Menschen (oder gequälte Seelen?) irren umher. Einige schreien vor Schmerz und Hunger. Ihre Augen überdeckt mit einer Virtual-Reality-Brille (VRB) und damit gefangen in der Matrix. Was sie sehen, will ich nicht wissen. Die Gefühle welche ich erfasse bereiten mir Qualen. Schreiend renne ich auf die Seelen zu. Versuche ihnen die VRB runter zu reissen. Ich schupse sie – trete nach ihnen. Sie müssen erkennen, dass sie Gefangene ihrer eigenen geschaffenen Realität sind! Es gelingt nicht. Die VRB sitzt so fest, dass ich resigniere. Ihre Gefühle lassen Tränen über mein Gesicht laufen.

Plötzlich wird mir bewusst: Ist denn die Realität ausserhalb der VR-Matrix besser? Ist dieser Gefangenen-Sektor in welchem ich mich befinde realer? Wieso muss ich mit ansehen wie sich die Menschen quälen? Was ist wohl grausamer: in einer Scheinwelt zu leben oder auf die Scheinwelt zu schauen und all die Gefühle aushalten zu müssen?

Ich reisse mich aus meinen trostlosen Gedanken. Besinne mich auf meine Liebe. Die einzige Kraft, welche mich schützt und begleitet. Irgendwo muss es einen Ausgang aus diesem Gefängnis geben?! Mutig stapfe ich durch den Morast. Lasse die gequälten Seelen hinter mir. Ich habe erkannt, dass sie sich selbst befreien müssen. Das Licht meiner Seele führt mich zu einem hohen Turm. Ich trete in die Dunkelheit ein.

Drinnen eröffnet sich mir ein Chaos. Einige andere Seelen haben es tatsächlich bis hier hingeschafft. Doch in ihrer Verzweiflung haben sie vieles der Inneneinrichtung zerstört. Stühle, Lampen, Tische, verrottete Lebensmittel, verdorrte Pflanzen, Schimmel an den Wänden – Zerstörung der Welt! Das kann nicht der Ausgang sein. Völlig verstört traue ich meinen Augen kaum. Soll ich wieder raus in den Morast? Wo ist meine VRB? Wieso werde ich mit diesen Bildern so gequält? Auch mich droht die Verzweiflung zu überrollen!

Mein Licht führe mich in der Dunkelheit! Weise mir den Weg! Das Strahlen in meiner Brust wird grösser – steigt im Turm empor. Es ängstigt mich. Blicke ich nach oben sehe ich so viel Schwärze. Doch das Licht zwingt mich dazu, ihm in die Dunkelheit zu folgen. Ich vertraue darauf am Ende des Turms ins Reich des Himmels eintreten zu dürfen – der Höllenmatrix entflohen.

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2 Kommentare zu “Der Turm zur Freiheit
  1. Guten Tag. Dank für diesen hervorragenden Artikel.Ich mag Deine Webseite!

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