Kommunikation einer Kommunikationsexpertin

Kommunikation

Nun Kommunikation ist für mich so eine Sache. Auf Grund meiner eingeschränkten Fähigkeiten Mimik, Gestik und Körpersprache zu lesen und angemessen zu reagieren, kann es immer mal wieder zu Missverständnissen kommen. Ich nehme fast alles Wörtlich und erkenne kaum, wenn ich mal wieder ins monologisieren verfalle. Doch ich musste erkennen, dass es tatsächlich neurotypische Menschen (NTs) gibt, die noch weniger von Kommunikation verstehen – sich gleichzeitig jedoch Kommunikationsprofis schimpfen. 

Wie komme ich zu dieser Erkenntnis?

Im Rahmen meiner Ausbildung zur eidg. dipl. Naturheilpraktikerin TEN muss ich unteranderem ein Modul in Kommunikation besuchen. An sich habe ich mich durchaus auf dieses Modul gefreut, doch dass was da in den ersten beiden Tagen ablief, lässt sich kaum mehr in Worte fassen.

Ganz korrekt stellte sich unsere neue Dozentin CF vor und sagte, dass sie eine Ausbildung in Kommunikation besitzt und Schriftstellerin mehrerer Bücher in Kommunikation habe. Sie wäre also ein absoluter Profi. Nun das tönte für mich zumindest schon mal interessant und ich wartete vergebens darauf, dass sie nun die Vorstellungsrunde an uns übergab, mit dem Ziel etwas über die Klasse zu erfahren. Doch dem war nicht so. Na gut, einfach mal abwarten vielleicht will sie damit ja irgendetwas bezwecken?

Sie fing dann an uns über Gefühle und deren Wirkung zu erzählen. Besonders wichtig schien ihr, dass wir Studenten authentisch, ehrlich, offen, wertschätzend und mit Respekt an unsere Patienten heran treten. Oh toll – das kann ich! Das sind genau die Eigenschaften von uns Autisten. Also bin ich doch zur Therapeutin berufen.

Das Dozentengeplänkel über Gefühle dauerte eine ganze Weile. Bis sie uns aufforderte unsere Meinung zu äussern. Ich und meine Mitstudenten nutzen die Gelegenheit um unsere Sicht darzulegen. Schliesslich bedeutet Kommunikation ja auch die Meinung anderer anzunehmen und aktiv zu zuhören. Nur CF war wohl nicht dieser Meinung. Sie drehte mir im Gespräch den Rücken zu, viel mir ins Wort, fand meine Äusserungen daneben und griff mich verbal auf der persönlichen Ebene an. Schön tief durchatmen, ruhig bleiben – muss wohl einmal mehr an meiner Art und Weise der Kommunikation liegen. Scheint wohl wieder ein verbales Fettnäpfchen gewesen zu sein. Also zuhören und beobachten.

Mit der Zeit erkannte ich jedoch – nein das liegt nicht an mir! Bei fast allen meinen Mitstudenten betrieb sie das gleiche Spiel. Sie verhielt sich vielen gegenüber sehr verletzend, abwertend und destruktiv. Am Ende des ersten Tages war die allgemeine Motivation der gesamten Klasse im Keller. Vielleicht hatte die Dozentin ja einfach einen schlechten Tag? Weit gefehlt, der zweite Tag wurde tatsächlich noch getoppt!

Am zweiten Tag stellte sich CF provokativ vor unsere Sitzreihen hin und meinte in verächtlichem, herablassenden Ton: «Habt ihr auch noch was anderes zu bieten ausser HASS!». Ich war komplett perplex. Das soll eine Kommunikationsspezialistin sein? Das soll wertschätzende NT-Sprache sein? Dann bleibe ich doch lieber bei meinem autistischen Kauderwelsch. Für mich war nun klar: Schutzsymbole aktivieren und mich auf meine innere Präsenz fokussieren.

Am Nachmittag des zweiten Tages hatte ich dann schlicht die Schnauze voll! Einmal mehr rief CF generft in die Runde, dass doch bitte alle Aktiv am Unterricht teilnehmen sollen, denn so wirklich Lust auf den Unterricht hatte wohl keiner mehr im Raum. Ich meldete mich zu Wort. Sie musste sich ein ziemlich direktes, ehrliches Feedback über ihre verdrehte, abwertende verbale und nonverbale Kommunikation anhören. Ihre Antwort war: «Das ist nur deine Meinung und nicht relevant». Doch damit habe ich wohl unbewusst in der Klasse etwas ausgelöst. Plötzlich meldeten sich meine Mitstudenten und bestätigten meine Wahrnehmung – jeder in seinen Worten. CF blieb stur in ihrer Haltung, sie war der Meinung genau so funktioniert Kommunikation.

Danke meine lieben Mitstudenten

In der Kaffeepause kamen einige meiner Mitstudenten auf mich zu und bedankten sich bei mir, dass ich so ehrlich hin gestanden bin und damit das negative, energetische Band durchbrochen habe. Ich war sichtlich gerührt von der Dankbarkeit und der respektvollen Anteilnahme.

Die beiden Kurstage waren ein Disaster. Gleichzeitig habe ich soviel Liebe und Wertschätzung von NTs erhalten. Sie haben mir gezeigt, dass mein autistisches Kauderwelsch in Ordnung ist und durchaus geschätzt wird und manchmal sogar nötig ist, um einen Blickwechsel zu bewirken. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen!

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2 Kommentare zu “Kommunikation einer Kommunikationsexpertin
  1. Judith sagt:

    Erstaunlich dass 26 andere Stundenten keinerlei Probleme hatten mit dem
    Unterricht.. vielleicht war da zu wenig Engagement dabei seitens der Unzufriedenen?

    • Crea-Motion sagt:

      Hallo Judith, wie kommst du auf die Anzahl von 26 zu friedenen Studenten? In meinem Beitrag steht nichts von einer Teilnehmerzahl. Ich sage dazu nur, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmenden unzufrieden war. Gemäss deiner Aussage (bez. der Teilnehmerzahl) müssten, dann also über 40 Leute im Raum gewesen sein. Was für einen Kommunikationskurs sowieso unhaltbar wäre. Selbst 26 Teilnehmende in einem Kommunikationskurs sind schlicht zu viel.

      Ehrliche Antworten aus der Sicht persönlicher Wahrnehmung sind durchaus in Ordnung. Wahrnehmung ist immer subjektiv. Doch hier einfach ohne Belege irgendwelche Zahlen zu nennen, ist meiner Meinung nach nichts weiter, als die übliche Gerüchteküche.

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